Antiker Wetterbericht

Was unsre Wettergötter sagen,
erfahre ich auf dem Balkon.
Er wird zu Helios Sonnenwagen,
steigt auf und schwebt mit dir davon.

Ich treffe Zeus, den wandelbaren,
wo er sich plustert hin zum Schwan
vor Leda mit gelösten Haaren
sorglos am Fuss der Erdenbahn.

Ein alter Cherub singt Triaden
als Löwe, Adler oder Stier
vom schönen Wetter der Kykladen -
als Adler kennt er sein Revier.

Doch heute beben alle Festen
des Himmels laut im Schlachtgesang
von Kampfzentauren, tief im Westen,
vor einem neuen Waffengang.

Derweil rumort im kalten Osten
ein mächtiges Zyklopenheer,
einäugig zwar, doch auf dem Posten,
längst aufgestellt zur Gegenwehr.

Da steigt - als schon die Pfeile blitzen -
Poseidon schäumend aus dem Meer
prüft daumenschnell des Dreizacks Spitzen
und stellt sich zwischen Heer und Heer.

Auch Zeus, sein Schwesterweib betrogen,
dem Alltag wieder zugewandt,
stellt - noch erschöpft - den bunten Bogen
des Friedens in die Wolkenwand.

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